Hufrehe ist eine der gefürchtetsten Erkrankungen beim Pferd – zu Recht. Die Entzündung der empfindlichen Huflederhaut kann in schweren Fällen zur Rotation oder Perforation des Hufbeins führen und das Pferd dauerhaft schädigen. Gleichzeitig ist Hufrehe in vielen Fällen gut beherrschbar, wenn sie früh erkannt und konsequent gemanagt wird. Auf dieser Seite erfährst du, was hinter der Erkrankung steckt, welche natürlichen Maßnahmen nachweislich helfen – und wie das Equine Metabolische Syndrom (EMS) als häufigste Ursache dauerhaft unter Kontrolle gebracht werden kann.
Inhaltsverzeichnis
- Symptome erkennen
- Ursachen verstehen: Hufrehe & EMS
- Akutversorgung Schritt für Schritt
- Natürliche Lösungsansätze
- Fütterung bei Hufrehe & EMS
- Bewegung & Hufpflege
- Unsere Produktempfehlungen
- Häufige Fragen
- Was kostet EMS-Management?
- Fazit
Symptome erkennen – so zeigt sich Hufrehe
Hufrehe kann akut (innerhalb von Stunden) oder chronisch (schleichend über Wochen) auftreten. Die klassischen Zeichen:
- Entlastungshaltung: Das Pferd stellt die Vorderbeine weit nach vorne und verlagert das Gewicht auf die Hinterbeine – der typische „Hufrehe-Stand“
- Warme Hufe: Besonders die Vorderhufe fühlen sich deutlich wärmer an als normal
- Starker Fesselbeugepuls: Der Puls an der Fesselbeuge ist gut tastbar und klopfend
- Bewegungsunwilligkeit: Das Pferd tritt zögernd auf, scheut besonders harten Boden
- Geringerte Hufe: Bei chronischer Hufrehe zeigen sich Hufringe (Jahresringe im Huf), ein abgeflachter Hufrücken oder eine wachsende Divergenz der Hufwand
- Schmerzsymptome auf der Zehe: Mit der Huffzange lässt sich die empfindliche Zehenzone ertasten
Wichtig: Bei akuter Hufrehe ist der Tierarzt sofort zu verständigen. Es handelt sich um einen Notfall. Die hier beschriebenen natürlichen Maßnahmen ergänzen die tierärztliche Behandlung – sie ersetzen sie nicht.
Akutversorgung bei Hufrehe – Schritt für Schritt
Du vermutest, dass dein Pferd gerade in eine Hufrehe läuft? Jede Stunde zählt. Diese Sofortmaßnahmen gelten bis der Tierarzt eintrifft:
- Tierarzt sofort anrufen – Hufrehe ist ein Notfall. Schildere die Symptome klar: Entlastungshaltung, warme Hufe, starker Fesselbeugepuls.
- Bewegung sofort stoppen – Kein Führen, kein Longieren, kein Reiten. Das Pferd in die Box bringen – und zwar so wenig wie nötig gehen lassen.
- Tiefes Substrat bereitstellen – Sand, Sägespäne oder ein dickes Strohbett polstern die empfindliche Zehenregion ab und entlasten das Hufbein. Keine harte Beton- oder Steinunterlage.
- Wasser kühlen (nach Rücksprache) – Kalte Wasserbäder (10–15 °C) können die Entzündungskaskade verlangsamen. In den ersten 24–72 Stunden kann Kühlung die Schäden an den Lamellen deutlich reduzieren – aber nur nach Absprache mit dem Tierarzt.
- Futter sofort entziehen – Kein Gras, kein Kraftfutter, kein Heu mit unbekanntem Zuckergehalt. Bis zur Klärung nur gewässertes Heu oder gar nichts (kurzzeitig).
- Protokoll führen – Notiere Uhrzeit, Symptome, Puls, Huftemperatur. Das hilft dem Tierarzt bei der Einschätzung des Verlaufs und der Schwere.
- Schmerzmittel nur nach Anweisung – Eigenständig NSAIDs wie Phenylbutazon geben kann dazu führen, dass das Pferd wieder normal läuft und sich dabei weiteren Schaden zufügt. Immer Rücksprache halten.
Nach dem Tierarztbesuch: Lass Röntgenaufnahmen der Hufe anfertigen, um eine mögliche Hufbeinrotation auszuschließen oder zu quantifizieren. Das ist die wichtigste Information für Therapie und Prognose.
Ursachen verstehen: Hufrehe & EMS
Hufrehe ist keine eigenständige Erkrankung, sondern immer Symptom einer zugrundeliegenden Ursache. Die häufigsten Auslöser:
Equines Metabolisches Syndrom (EMS)
EMS ist die bei weitem häufigste Ursache für wiederkehrende Hufrehe. Betroffene Pferde – oft leichtfuttrige Rassen wie Ponys, Isländer oder Haflinger – entwickeln eine Insulinresistenz: Die Körperzellen reagieren nicht mehr ausreichend auf Insulin, der Blutzucker bleibt erhöht. Dieser chronisch hohe Insulinspiegel schädigt direkt die Lamellenstruktur im Huf. Erkennungszeichen für EMS:
- Fettpölsterchen am Mähnenkamm, am Schweifansatz und hinter den Schultern
- Übergewicht trotz normaler oder reduzierter Fütterung
- Wiederkehrende Hufrehe, besonders im Frühjahr (Weideauftrieb)
- Schlechte Leistungsbereitschaft und Mattigkeit
PPID (Cushing-Syndrom beim Pferd)
Das equine Cushing-Syndrom (PPID) betrifft vor allem ältere Pferde (über 15 Jahre) und geht auf eine Fehlfunktion der Hypophyse zurück. Erhöhtes ACTH führt zu chronischem Stress und – indirekt – ebenfalls zu Hufrehe. Typisch: langer, lockiger Haarwechsel, starkes Schwitzen, Muskelschwund.
Weitere Auslöser
- Grasinsulin-Spike: Weideauftrieb im Frühjahr oder nach Frost (hoher Fruktangehalt)
- Kohlenhydrat-Überladung: Zu viel Kraftfutter, Brot, Obst
- Belastungshufrehe: Übermäßige Belastung auf hartem Boden, z. B. nach langen Ritten
- Stützbeinshufrehe: Das gesunde Bein übernimmt durch Lahmheit des anderen Beins zu viel Gewicht
- Infektions- oder toxinbedingt: Nach Geburt, Koliken oder Vergiftungen
Natürliche Lösungsansätze bei Hufrehe & EMS
Keuschlamm (Agnus castus) bei EMS
Agnus castus – auch Mönchspfeffer genannt – ist das bekannteste pflanzliche Mittel bei EMS. Der Wirkstoff Diterpene beeinflusst die Dopaminrezeptoren in der Hypophyse und kann erhöhte ACTH-Werte senken. In mehreren Studien und in der Praxis zeigen sich positive Effekte bei EMS-Pferden:
- Reduktion von Fettpölsterchen am Mähnenkamm
- Verbessertes Wohlbefinden und Aktivität
- Unterstützung bei PPID (gemeinsam mit oder alternativ zu Prascend)
Dosierung: 8–10 g Agnus castus-Pulver täglich (getrocknet), dauerhaft. Wirkung erst nach 6–12 Wochen beurteilen.
Zimt zur Insulinsensitivität
Echter Ceylon-Zimt (nicht Cassia-Zimt) enthält Zimtaldehyd und Polyphenole, die in Studien die Insulinsensitivität verbessern. Bei Pferden mit EMS wird Zimt als kostengünstige, gut verträgliche Ergänzung eingesetzt. Dosierung: 5–10 g täglich, gut ins Futter gemischt. Hinweis: Cassia-Zimt (handelsüblich) enthält Cumarin und sollte nicht dauerhaft gegeben werden – auf Ceylon-Zimt achten.
Mariendistel zur Leberunterstützung
Die Leber spielt eine zentrale Rolle im Kohlenhydratstoffwechsel. Mariendistel (Silymarin) schützt Leberzellen und fördert die Regeneration – besonders sinnvoll wenn EMS oder Cushing zu Stoffwechselüberlastung führen. Dosierung: 5–10 g Mariendistelpulver täglich.
Teufelskralle bei akuten Gelenkschmerzen
Teufelskralle (Harpagophytum procumbens) wirkt entzündungshemmend und schmerzlindernd – relevant bei chronischer Hufrehe mit begleitenden Gelenkproblemen. Achtung Turnierpferd: Teufelskralle steht auf der FEI-Dopingliste und darf in Wettkampfnähe nicht gegeben werden.
Fütterung bei Hufrehe & EMS – das Fundament jeder Therapie
Die Fütterung ist bei Hufrehe nicht Ergänzung, sondern Kerntherapie. Fehler hier machen jede andere Maßnahme wirkungslos.
Grundregel: Zucker und Stärke drastisch reduzieren
- Heu statt Weide: Kein Weidegras, bis der Insulinstatus kontrolliert ist. Heu hat deutlich weniger Fruktane als frisches Gras.
- Heu wässern: 30–60 Minuten wässern reduziert den Zuckergehalt um bis zu 30 %. Danach gut abtrocknen lassen.
- Heualyse: Lass dein Heu analysieren. Zielwert für Hufrehe-Pferde: WSC + Stärke unter 10 % der Trockenmasse.
- Kein Kraftfutter: Kein Müsli, kein Hafer, kein Brot, keine zuckerhaltigen Leckerlis.
- Mineralfutter: Heu allein deckt den Mineralbedarf nicht. Ein gut abgestimmtes Mineralfutter (idealerweise auf Basis einer Heuanalyse) ist Pflicht.
Was erlaubt ist
- Getränktes, abgetropftes Heu in mehreren kleinen Portionen
- Stroh (max. 20–30 % der Tagesration, Siliziumgehalt beachten)
- Karotten & Äpfel: nur in kleinen Mengen und als seltene Ausnahme
- Heucobs oder Heupellets (ohne Melasse) als Alternative
Bewegung & Hufpflege bei Hufrehe
Bewegung ist wichtig – aber nur in schmerzfreien Phasen und auf geeignetem Untergrund.
- Akute Phase: Absolute Ruhe, Boxenstand auf tiefem, weichem Substrat (Sand, Sägespäne). Keine erzwungene Bewegung.
- Remissionsphase: Langsam gesteigerte Bewegung auf weichem, ebenem Boden. Schritt führen, kein Reiten bis zur tierärztlichen Freigabe.
- Beschlag: Orthopädischer Beschlag oder gut geformte Barhuf-Balance können die Zehenpartie entlasten. Enge Zusammenarbeit mit Hufschmied und Tierarzt ist essenziell.
- Kühlung: Kaltes Wasser oder Eispackungen auf die Hufe können in der Akutphase Entzündung und Schmerzen lindern (in Abstimmung mit dem Tierarzt).
- Regelmäßige Hufpflege: Kurze Hufpflegeintervalle (alle 4–6 Wochen), um Druckpunkte frühzeitig zu erkennen und zu korrigieren.
Unsere Produktempfehlungen bei Hufrehe & EMS
Diese Produkte haben sich in der Praxis bewährt. Alle Links sind Affiliate-Links – für dich entstehen keine Mehrkosten.
| Produkt | Wirkung | Für wen |
|---|---|---|
| Agnus castus Pulver (Ceylon) | EMS, PPID, Insulinresistenz | EMS-Pferde, ältere Pferde |
| Ceylon-Zimt Pulver | Insulinsensitivität | EMS, Übergewicht |
| Mariendistel Extrakt | Leber, Stoffwechsel | EMS, Cushing |
| Hufrehe-Mineralfutter (zuckerfrei) | Nährstoffversorgung ohne Zucker | Alle Hufrehe-Pferde |
| Teufelskralle (kein Turniereinsatz) | Entzündung, Schmerz | Chronische Hufrehe mit Gelenkbeteiligung |
Häufige Fragen zu Hufrehe & EMS
Kann ein Pferd mit Hufrehe wieder vollständig gesund werden?
Das hängt vom Schweregrad und der Ursache ab. Bei leichter bis mittlerer Hufrehe ohne Hufbeinrotation ist eine vollständige Remission mit konsequentem Management (Fütterung, Hufpflege, EMS-Therapie) gut möglich. Bei schwerer Rotation oder Perforation bleibt oft eine bleibende Veränderung. Entscheidend ist: Je früher erkannt und behandelt, desto besser die Prognose.
Wie erkenne ich EMS bei meinem Pferd?
Typische Zeichen sind: Fettpölsterchen am Mähnenkamm (besonders charakteristisch), Übergewicht trotz normaler Fütterung, wiederkehrende Hufrehe (besonders im Frühjahr) und verminderte Leistungsbereitschaft. Eine sichere Diagnose erfolgt durch Blutuntersuchung (Insulin- und Glukosebasalwerte, ACTH für PPID). Die Probenentnahme sollte nüchtern und stressfrei erfolgen.
Darf ein Hufrehe-Pferd auf die Weide?
In der Regel nein – zumindest nicht unbegrenzt. Gras enthält im Frühjahr und nach Frost besonders viele Fruktane (Zucker), die den Insulinspiegel in die Höhe treiben. Wenn Weide, dann: nur auf ausgedünntem, nicht gedüngtem Gras, am besten früh morgens (wenn der Fruktan-Gehalt am niedrigsten ist), und immer mit Maulkorb zur Reduktion der Aufnahme. Regelmäßige Blutkontrollen sind Pflicht.
Wie lange muss ich Agnus castus geben?
Bei EMS und PPID dauerhaft, da es sich um chronische Erkrankungen handelt. Eine Pause im Winter (Oktober bis Januar) ist möglich, da natürliche ACTH-Werte saisonal schwanken. Die Wirkung sollte nach 6–12 Wochen durch Blutbild und klinische Beobachtung überprüft werden. Setze Agnus castus nie plötzlich ab – langsam ausschleichen.
Was ist der Unterschied zwischen EMS und Cushing (PPID)?
EMS (Equines Metabolisches Syndrom) entsteht durch Insulinresistenz, tritt oft bei jüngeren, übergewichtigen Pferden auf und ist primär durch Fütterung beeinflussbar. PPID (Cushing) ist eine Erkrankung der Hypophyse, betrifft meist ältere Pferde (über 15 Jahre) und erfordert oft medikamentöse Therapie (Prascend). Beide Erkrankungen können gleichzeitig auftreten – eine genaue Diagnose durch den Tierarzt ist entscheidend.
Was kostet EMS-Management im Jahr – ein realistischer Überblick
EMS ist eine Dauerdiagnose. Wer weiß, welche Kosten langfristig auf ihn zukommen, kann besser planen und Prioritäten setzen. Hier ein realistischer Jahresüberblick für ein EMS-Pferd in Remission:
| Kostenblock | Kosten pro Jahr (ca.) | Anmerkung |
|---|---|---|
| Heuanalyse | 80–150 € | 1–2x jährlich empfohlen, je nach Heulieferant |
| Mineralfutter (zuckerfrei) | 200–400 € | Je nach Produkt und Körpergewicht |
| Agnus castus Pulver | 80–150 € | Dauerhaft bei EMS/PPID |
| Blutbild (Insulin, ACTH) | 80–200 € | 2x jährlich (Frühling + Herbst) empfohlen |
| Hufschmied (kürzere Intervalle) | 300–500 € | Alle 4–6 Wochen statt alle 8 |
| Tierarzt (Kontrollen) | 150–300 € | Routinekontrollen außerhalb von Akutphasen |
| Gesamt (Remission) | ca. 900–1.700 € | Ohne Akut-Behandlungskosten |
Zum Vergleich: Eine einzige akute Hufrehe-Episode (Notfalltierarztt + Röntgen + Medikamente + Intensivpflege) kostet schnell 500–1.500 €. Konsequentes Präventionsmanagement ist also nicht nur tierfreundlicher, sondern auf lange Sicht auch günstiger.
Einsparungspotenzial durch natürliche Maßnahmen: Wer frühzeitig auf Fütterungsmanagement, Agnus castus und regelmäßige Blutkontrollen setzt, reduziert das Risiko kostspieliger Akutepisoden erheblich. Viele EMS-Pferde werden jahrelang komplikationsfrei gehalten – mit überschaubarem Aufwand.
Fazit: Hufrehe ist beherrschbar – mit dem richtigen Gesamtkonzept
Hufrehe und EMS erfordern kein Aufgeben – aber sie erfordern Konsequenz. Die drei wichtigsten Hebel sind: Fütterungsmanagement (kein Zucker, kein Stärke), frühzeitige Diagnose der Grunderkrankung (EMS oder PPID durch Blutbild) und regelmäßige Hufpflege in enger Zusammenarbeit mit Tierarzt und Hufschmied. Natürliche Mittel wie Agnus castus, Ceylon-Zimt und Mariendistel können dieses Fundament wirkungsvoll ergänzen.
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