Zweimal im Jahr steht beim Pferd der Fellwechsel an – und wer seinen Vierbeiner dabei nutritiv richtig unterstützt, sieht das Ergebnis: ein glänzendes, gleichmäßiges Fell das ganze Jahr über. Was in der Haarwurzel passiert, und was auf dem Futterplan stehen sollte, erfährst du hier.
Was passiert beim Fellwechsel?
Pferde wechseln ihr Fell zweimal jährlich: im Frühjahr (Winterfell wird abgeworfen) und im Herbst (Sommerfell wird durch dichtes Winterfell ersetzt). Der Hauptauslöser ist die Tageslichtlänge – genauer: die Melatoninproduktion in der Zirbeldrüse, die auf Dunkelheit reagiert. Temperatur spielt eine untergeordnete Rolle, weshalb Pferde in Innenboxen mit Kunstlicht oft verworrene Wechselrhythmen haben. Ein verzögerter oder unvollständiger Fellwechsel kann auch auf PPID (Cushing-Syndrom) hindeuten – dann ist ein Bluttest sinnvoll.
Die wichtigsten Nährstoffe für gesundes Fell
- Biotin (Vitamin B7): Die bekannteste Fellvitamine überhaupt. Biotin ist für die Synthese von Keratin essenziell – dem Protein, aus dem Fell und Hufe bestehen. Empfohlene Dosis beim Pferd: 15–30 mg täglich. Wirkungseintritt: 6–12 Monate (Haarwachstum ist langsam).
- Zink und Kupfer: Zink ist an der Keratinisierung beteiligt, Kupfer für die Fellpigmentierung (Kupfermangel = stumpfe, ausgeblichene Farbe). Das optimale Zink:Kupfer-Verhältnis liegt bei 4:1. Viele Heuanalysen zeigen Zink- und Kupfermangel bei deutschen Böden.
- Omega-3-Fettsäuren: Stärken die Hautbarriere, reduzieren Schuppigkeit und Fellbrüchigkeit. Quelle für Pferde: Leinsamen (reich an ALA) oder Algenöl (EPA/DHA direkt). 100–200 g gequetschte Leinsamen täglich für ein 500-kg-Pferd.
- Methionin und Lysin: Schwefelhaltige Aminosäuren, die für die Keratinsynthese gebraucht werden. Bei proteinarmem Heu oft limitierend. In Sojabohnen, Hanfprotein oder Aminosäure-Supplements enthalten.
- Vitamin E: Schützt die Hautzellenvor oxidativem Stress. Besonders wichtig bei Pferden ohne frischen Weidegang (Heu enthält deutlich weniger Vitamin E als frisches Gras).
Praktische Fütterungsergänzungen während des Fellwechsels
Bierhefe: Reich an B-Vitaminen, Biotin und Aminosäuren – ein klassisches Hausmittel mit nachgewiesener Wirkung. 50–100 g täglich für ein 500-kg-Pferd. Brennnessel (getrocknet): Mineralstoffreich, liefert Silizium (fördert Fellglanz) und Eisen. 50–100 g täglich. Leinöl oder gequetschte Leinsamen: Beste pflanzliche Omega-3-Quelle für Pferde, unterstützt Haut und Fellstruktur. Mineral-Leckstein: Als Basisversorgung sinnvoll – aber keine Alternative zu einer bedarfsgerechten Mineralfutteranalyse.
Wann ist stumpfes Fell ein Warnsignal?
Nicht immer ist Nährstoffmangel schuld. Mögliche Ursachen für stumpfes, mattes Fell: Parasitenbefall (Wurmbürde), Lebererkrankungen, PPID/Cushing, chronische Entzündungen oder Schilddrüsenstörungen. Wenn das Fell trotz guter Fütterung nicht glänzt, lohnt sich ein Blutbild beim Tierarzt.
Mehr zum Thema: Wenn hinter dem stumpfen Fell ein Stoffwechselproblem steckt, findest du alle Informationen in unserem Guide: Fellwechsel & Stoffwechsel beim Pferd.
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