Hufrehe vorbeugen: Was du vor dem Weidegang wissen musst

Der Frühling ist für viele Pferdehalter eine heikle Zeit: Saftiges Gras, hungrige Pferde – und das Risiko einer Hufrehe steigt sprunghaft an. Wer die richtigen Vorbereitungen trifft, kann das Risiko erheblich reduzieren. Hier erfährst du, was hinter dem Weidegras steckt und wie du deinen Vierbeiner sicher durch die Weidesaison bringst.

Warum Frühjahrsgras so gefährlich ist

Das Problem ist nicht das Gras selbst – sondern sein Zuckergehalt. Im Frühjahr produzieren Gräser besonders viel NSC (Non-Structural Carbohydrates), also Zucker und Stärke. Diese werden im Dünndarm nicht vollständig verdaut und gelangen in den Dickdarm, wo sie eine explosionsartige Gärung auslösen. Dabei entstehen Endotoxine, die die Blutgefäße im Huf schädigen – und eine Hufrehe auslösen. Besonders kritisch: sonnige Tage nach kühlen Nächten, wenn das Gras tagsüber Zucker produziert, aber durch den Kältestress nicht wachsen kann. Der Zucker akkumuliert in den Blättern.

Welche Pferde sind besonders gefährdet?

  • 🐴 Pferde mit EMS (Equines Metabolisches Syndrom) – Insulinresistenz erhöht das Risiko dramatisch
  • 🐴 Pferde mit PPID (Cushing-Syndrom) – gestörte Insulinregulation
  • 🐴 Übergewichtige Pferde und Ponys – besonders Fell-Ponys wie Welsh und Shetland
  • 🐴 Pferde mit früherer Hufrehe – einmal betroffene Hufe sind dauerhaft empfindlicher
  • 🐴 Pferde mit geringer Bewegung – schlechte Durchblutung im Huf erhöht das Risiko

Weidemanagement: Schritt für Schritt

Gewöhnung über 3–4 Wochen: Beginne mit 15–20 Minuten täglich und steigere langsam. Das gibt dem Darmmikrobiom Zeit, sich anzupassen. Füttere vor dem Weidegang Heu – ein volles Heu-Magen bremst die Grasaufnahme. Weidezeit strategisch wählen: Morgens vor 10 Uhr und abends nach 16 Uhr – dann ist der Zuckergehalt am niedrigsten (nachts wird Zucker verbraucht, tagsüber neu aufgebaut). Weidekörbe und Paddock-Trail sind bei hochgefährdeten Pferden oft die einzig sichere Lösung während der Hochrisikowochen.

Fütterung anpassen: Was hilft, was schadet

Magnesium verbessert die Insulinsensitivität und ist bei vielen Weidepferden mangelhaft. Chrom unterstützt die Glukoseverwertung. Leinsamen (gequetscht) liefert Omega-3 und kann Entzündungsreaktionen dämpfen. Zu vermeiden: Müsli, Getreide, Melasse-Rüben und alle zuckerhaltigen Leckerlies in der Hochrisikozeit. Auch Möhren und Äpfel sollten reduziert werden.

Erste Anzeichen: Wann du handeln musst

Erkennst du eines dieser Zeichen, ist sofortiger Tierarztbesuch nötig: Wärme und verstärkter Puls an den Hufen, Entlastungshaltung (Vorderbeine vorgestellt), Bewegungsunwilligkeit, „Zehengängigkeit“. Jede Stunde zählt – eine akute Hufrehe, die nicht sofort behandelt wird, kann zu dauerhaften Hufbeindrehungen führen.

Ausführlicher Guide: Alles zu Ursachen, Behandlung und langfristigem Management – im großen Ratgeber zu Hufrehe & EMS beim Pferd.

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